En el campo!

Veröffentlicht auf von jana-in-paraguay.over-blog.de

Hallo ihr Lieben im fernen Deutschland, kalten Schottland oder auf den schönen Philippinen!

Ich denke es ist mal wieder Zeit etwas von mir hören zu lassen. Mir geht es gut, richtig gut! Ich bin extrem froh, die Entscheidung getroffen zu haben, 9 Monate meines Lebens hier zu verbringen. Denn es ist einfach schön. Nach zwei Wochen in Asunción fiel es uns wahnsinnig schwer Abschied zu nehmen, denn unsere Gastfamilie hat uns so herzlich aufgenommen, dass wir nicht mehr gehen wollten. Auch kam natürlich die Angst vor komplett Unbekanntem und Ungewöhnlichem hinzu. Doch unser Versuch den Aufenthalt in Asunción zu velängern ging schief, und so hieß es nach zwei Wochen Stadt: Ab in die Pampa. Mit einem echt ziemlich luxuriösen Bus ging es also ca. 4 Stunden ins Landesinnere. Dann umsteigen und abermals 3-4 Stunden ins Nichts. Wirklich ins Nichts! Kein Haus, kein Geräusch, keine Menschenseele. Unsere Ankunft verschob sich um ca. 1 ½ Stunden, da der Bus eine Panne hatte und der Reifen gewechselt werden musste. Nach einiger Zeit ließen wir dann auch die geteerten Straßen hinter uns. Der Weg bzw. die Brücken wurden immer enger und man hatte des öfteren das Gefühl, dass der Bus ganz ganz ganz kurz vorm Umkippen stand. Schließlich haben wir es dann doch geschafft, in Maracana anzukommen. Doch wenn ich ehrlich bin, war der erste Abend bzw. die erste Nacht echt der Horror. Mit dem Bus fuhren wir immer weiter ins Nichts hinein und es war stockdunkel. Nur das übliche Neonlicht schien ab und zu grell in die Nacht hinaus. Aber sonst... weit und breit nichts zu entdecken.

 

Nachdem ich die Bekanntschaft mit meiner neuen Familie, meinem Zimmer und dem Fernseher (Dauerbegleiter) gemacht habe, gibt es erst mal Essen. Und alle reden wild hin und her... ich versteh nur Bahnhof, denn sie reden nicht etwa in Spanisch sondern in Guarani. Ich hab dann erst mal brav mein Tellerchen aufgegessen und saß still auf meinem Plätzchen. Kurz danach meinen dann alle, dass sie ins Bett gehen. Ich steh total überfordert da.... kein Waschbecken, Dusche oder Klo in Sicht... Mit der Taschenlampe wird mir dann der Weg zum Plumpsklo, zur Dusche im Freien und zum Wasserschlauch gezeigt. Als ich schließlich im Bett bin (ca. halb 10) herrscht eine Stille im Haus, dass ich mich nicht mehr traue meinen Koffer auszupacken, weil ja nur ein paar Holzbretter oder auch Vorhänge die Zimmer trennen. Also erst mal nur den Schlafsack und Schlafanzug raus kramen. Um halb sechs wecken mich die Hühnchen, die hier überall herumspazieren und vor meiner Zimmertüre ab und zu mal Häufen ablegen:)... um 6 wiederum, wenn ich denn nochmal eingeschlafen bin, der Fernseher, und kurz danach spazieren hier ich weiß nicht wie viele Leute ein und aus, fahren mit ihren Motos genau vor mein Zimmer. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Aber ich bin ja auch wahnsinnig gespannt darauf wie Maracana bei Tag aussieht und quäle mich aus dem schönen Bett. Und mir wird gleich mein erster Cocido vor die Nase gesetzt. Mhhh, ich glaube daran kann ich mich gewöhnen, aber mein Müsli fehlt mir schon ein bisschen. Nach einer kalten Dusche gehe ich erst mal mit meinem neuen Bruder das Dorf besichtigen.

Jetzt, nachdem ich drei Wochen in einfachsten Verhältnissen gelebt habe sehe ich wirklich in allem, was mir die ersten Tage zu schaffen gemacht hat, ein Vorteil. Von den Spinnen, den krass vielen Mücken (ich habs aufgegeben, meine Stiche zu zählen. Vor Anti-Moskitospray haben die Dinger hier keine Angst, die stechen rücksichtslos weiter und weiter zu. Mein Fuß ist einmal so stark angeschwollen, dass ich wirklich nur mit Mühe in meinen Schuh hineingepasst habe. Und fast jede Nacht um halb zwei (wirklich immer halb zwei) wache ich auf und bekomme einen Kratzanfall) und dem Fernseher mal abgesehen. Duschen unter freiem Himmel ist einfach wunderschön, besonders Nachts wenn tausende Sternchen funkeln. Ein Plumpsklo ist einfach viel praktischer, denn man kann immer noch aufs Klo gehen wenn es kein Wasser gibt. Ich könnte viele weiter Kleinigkeiten aufzählen, die einfach nur zum Vorteil sind, wenn man hier lebt. Auch an das Leben ohne Internet und Telefon gewöhnt man sich schnell.

Letzte Woche hat es 2 Tage am Stück gestürmt und geregnet. Und sobald es regnet ist das schöne Leben hier vorbei. Das heißt: Niemand geht mehr auf die Straße (keine Schule), weil alles voller Schlamm ist und man sofort einsinkt. Kein Motogeräusch, kein Licht und kein Wasser für ca. 30 Stunden! Und alle legen sich ins Bett und schlafen den Tag durch. Das letzte mal habe ich es echt fast bald nicht mehr ausgehalten. Aber irgendwie schafft man es dann doch die Zeit zu überbrücken und spielt Domino mit Kerzenlicht oder Handytaschenlampe (mein Handy hat das jedoch nach einigen Stunden nicht mehr mitgemacht und somit musste ich mir in totaler Finsternis den Weg zum Klo bahnen oder auch die Klamotten wechseln, da es ja schon ab 6 Uhr schlagartig dunkel wird). Unterrichten in der Schule klappt schon relativ gut, auch wenn man es echt langsam angehen muss, denn das Leben hier funktioniert einfach insgesamt viel langsamer und somit auch die Lernwilligkeit der Kinder. Ich habe auch schon drei Englischkurse mitübernommen. Ich war echt geschockt, wie wenig Englisch der Lehrer hier spricht. Da weiß ich ja schon mehr in Guarani:) Aber er meinte, ich sei jetzt seine Lehrerin und soll ihn weiterbilden. Wäre ja schön wenn das wirklich klappt. Er will mir als Guaranilehrer Guarani beibringen. Aber bis jetzt ist er noch nicht erschienen. Auch an die paraguayische Musik habe ich mich schon gewöhnt. Jeden Samstag gab es bis jetzt ein Dorfest, und auch wenn die Musik eigentlich immer die gleiche ist (Folklore, Reggaton, Shakira und Lady Gaga), ist es doch extrem lustig darauf zu tanzen, vor allem auf paraguayische Art (in Reihe, immer ein Junge, ein Mädchen):) Das einzige was mir hier ein bisschen zusetzt ist das Essen. Es ist halt doch wahnsinnig fettig, und ich kann mich nicht mehr entsinnen, wann ich das letzte Mal Salat gegessen habe... ok, leider kann ich das doch! Und zwar habe ich an meinem aller ersten Tag von den Nachbarn Salat aus dem Garten für meine Familie mitbekommen. Den habe ich dann ahnungslos aus der Plastiktüte geholt um ihn zu putzen. Und was kommt da herausgekrabbelt? Eine handgroße Spinne. Ich erschrecke mich echt zu Tode (für alle die es nicht wissen: Meine allergrößte Furcht war es, auf so eine Spinne zu treffen), mein Gastbruder zerhammert sie jedoch ganz schnell mit einem Brett. Er meint, das es ja ein riesiges Pech ist gleich am ersten Tag auf so eine Spinne zu treffen und dass es die richtig selten zu sehen gibt. Ja, gleich am zweiten Tag hab ich dann die Bekanntschaft mit einer Babyvogelspinne und einer richtigen Vogelspinne gemacht. So viel dazu.

Vor zwei Wochen gab es hier mal drei, vier kalte Tage, an denen du echt dauerschlotterst, weil es, außer am Feuer in der Küche, überall wahnsinnig kalt ist. Ich hab mich daraufhin gleich schon wieder erkältet, weil ich ja auch irgendwann mal duschen musste, und das nun mal nur mit kaltem Wasser möglich ist. Aber jetzt ist es wieder schön warm. Also gerade noch angenehm. Mein Tag läuft in etwa so ab: Morgens um halb sechs aus dem Bett kriechen, 5 Minuten ohne den Fernseher im Hintergrund genießen, Morgengymnastik (meistens gehe ich mit meinem Gastbruder eine Runde joggen), frühstücken und ab in die Schule. Die Kinder sind eigentlich echt total süß, haben uns schon mit diversen selbstgemalten Bildern überhäuft. Doch Unterrichten ist einfach wahnsinnig anstrengend. Es sind immer 1 1/2 Stunden am Stück und darum bin ich des öfteren erleichtert, wenn diese vorbei sind.Um elf ist Schule aus für die Kleineren. Und um 1 geht es mit dem Nachmittagsunterricht für die Größeren los. Meistens habe ich dann Englisch, oder doch nochmal Musik. Um 4 Uhr ist Zeit für Americas Next Topmodel, da sitzen dann alle meistens ganz gespannt vorm Fernseher. Aber die Synchronisierung ins Spanische ist so wahnsinnig schlecht, da kann man sich echt die ganze Zeit drüber lustig machen. Jeder hat hier eine riesige Satelittenschüssel vor dem Haus stehen und darüber empfangen wir auch deutsches Fernsehen.:) Es wird jedoch den ganzen Tag nur eine Telenovela nach der anderen geschaut. Danach geht es los zum Volleyball oder auch Fußballspielen, was immer wahnsinnig Spaß macht. Zwischendurch werden noch haufenweise Orangen auf paraguayische Art getrunken, mit den zwei kleinen Süßen Andy und Christian Ball gespielt oder auch mal Guarani gelernt. Um ca. halb zehn geht es dann meistens ins Bett, damit man am Morgen fit ist:) Außer am Wochenende, da fängt das Fest immer so gegen 8 Uhr an, hört um halb zwei auf. Und wir sind immer die letzten dort vor Ort, die eine Hälfte ist total betrunken, und die andere Hälfte hält es nicht so lange aus.:)
Nun gut, ich denke ich habe mal so in etwa mein sehr überschaubares Leben hier geschildert. Und es gefällt mir echt gut. Also macht euch keinerlei Sorgen, dass es mir in irgendeiner Weise nicht gut gehen könnte. Außer ein paar Magen-Darm-Problemen (das Essen) und einer Erkältung hatte ich echt noch keinerlei Probleme. Und das allerschönste: Keine Kopfschmerzen mehr! So kann es bleiben:)
Mit den allergrößten, fröhlichsten und süßesten Grüßen aus dem weiten Paraguay!

Bilder kommen das nächste mal, ich habe gerade keinen Nerv mehr noch länger an diesem Gerät zu hocken, da ich nur 2 Tage das Stadtleben genießen kann! Ich lade sie so bald wie möglich hoch:)

 

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Gundula 10/08/2010 11:37


Hey, das klingt großartig...Jana, ich freue mich so für dich, dass du an einem tollen Ort gelandet bist, es dir gut geht, und - oh Wunder!! - sogar die Kopfschmerzen verschwunden sind:-) Mit dem
Essen gehts mir ähnlich wie dir: kein salat, viiiieeel fett. Und ich kann nicht mal joggen gehen, weil frauen nicht joggen!! Also, ich wünsche dir das aller-aller-beste ans andere Ende der Welt,
von Indien nach Paraguay:-) Gundula


Heike 09/28/2010 21:02


Hallo liebe Jana, ich glaube ich habe meinen ersten Kommentar gelöscht, deshalb nochmal einen. Es ist so schön zu hören, wie gut es dir geht. Ich beneide dich um all das, was du dort erlebst und
freue mich riesig für dich und besonders auch über jede nachricht. Komme gut zurück nach maracana, bleib gesund und munter und ich freue mich darauf den nächsten Blog zu lesen. Ich drücke dich ganz
fest meine Liebe, bis bald Heike


Malli 09/28/2010 10:17


Wow, das hört sich ja gigantisch an. Ich freue mich sehr, zu hören, wie gut es dir geht! Schade, dass das mit dem skypen nicht geklappt hat... hätte gern noch mehr erfahren!!!!! ;-)
Gaaaaaaaanz liebe Grüße aus dem gar nicht soooo kalten Schottland :-*